Anreise

Nun bin ich ziemlich genau zwei Wochen hier und es fühlt sich ehrlich gesagt wie eine kleine Ewigkeit an. Es ist schon einiges passiert. So viele neue Eindrücke, Momente der Überforderung, Momente des Realisierens, Momente der Freude und der Gelassenheit.

Doch lasst uns einfach von vorne anfangen: der Anreise.

Im Februar dieses Jahrs habe ich mich bei EVIM für einen Freiwilligendienst im Ausland beworben, denn schon lange war es mein Traum, nach dem Abitur ein Jahr im Ausland zu verbringen. Schon im März haben wir – alle 7 Freiwilligen der Organisation – angefangen, uns auf diesen Auslandsaufenthalt vorzubereiten. Durch die monatlichen Seminare, welche leider fast alle online stattfinden mussten, haben wir gelernt und besprochen, was auf uns zukommen wird und was unsere Rolle als Freilwillige ist. Kurz vor Ausreise hatten wir zusammen mit den 4 Freiwilligen der Diakonie Württemberg ein 3-tägiges Anti-Rassismus-Training in Heilbronn und ein 5-tägiges Vorbereitungsseminar in Darmstadt. Beide Seminare waren sehr intensiv, haben viel in mir und uns bewegt, viele Zweifel hervorgerufen, andererseits wiederum große Vorfreude ausgelöst, und uns als Gruppe zusammenwachsen lassen. Auch wenn jede:r von uns wusste, dass andere Herausforderungen auf sie/ihn zukommen werden, in den verschiedensten Projekten, in unterschiedlichen Einsatzländern, haben wir uns doch irgendwie auf das gleiche vorbereitet: ein Jahr in einer neuen, (anfangs) fremden Kultur. Ein Jahr leben, wie wir es bis jetzt noch nicht kannten. Ein Jahr lang ein anderes Klima. Ein Jahr voller intensiver Erfahrungen – sowohl positive als auch negative. Ein Jahr, in dem wir eine neue Heimat finden dürfen.

Am 7. September ging die große Reise also endlich los. Nach all den vielen Impfungen, den Vorbereitungen, dem Stress, dem Ausfüllen vieler Dokumente, einigen Deadlines, dem Einkaufen wichtiger Dinge, dem Packen und schließlich dem Verabschieden meiner Liebsten, stieg ich vollgepackt in den Zug nach Frankfurt – meinen Eltern hinterherwinkend. Es kam mir so surreal vor, jetzt wirklich auf dem Weg zu sein. Das letzte halbe Jahr verging dann wohl doch wie im Flug.

In Frankfurt habe ich mich mit Levin und Emily (zwei meiner vier Mitfreiwilligen) getroffen und wir haben zusammen unseren letzten Abend in Deutschland genossen – begleitet von einem wunderschönen Sonnenuntergang, einer guten italienischen Pizza, noch einmal Spielen auf dem Spielplatz und dem Bestaunen des Sternenhimmels, den wir so ja auch ein Jahr nicht mehr sehen werden.

Am nächsten Morgen, dem 8. September, ging es zum Sonnenaufgang los Richtung Flughafen. Dort haben wir Nikolaus und Paula getroffen, durch welche unsere fünfer Gruppe komplett war, Koffer abgegeben, die Sicherheitskontrolle erfolgreich passiert und schließlich sind wir pünktlich in den Flieger gestiegen.

Nach zwei langen Flügen und einem drei stündigen Zwischenstopp in Istanbul sind wir gegen 4 Uhr des nächsten Morgens endlich in Entebbe gelandet. Dort mussten wir uns erst einmal um unser Visum kümmern, sämtliche Dokumente vorzeigen und schließlich unser Gepäck abholen. Draußen hat Evaline, die Leiterin unserer Projekte vor Ort, uns herzlich empfangen. Wir haben alles – inklusive uns – in ein Taxi eingeladen und uns auf den Weg zu unserem neuen Zuhause gemacht. Die einstündige Fahrt war für meine müden Augen, die seit fast 24h nicht mehr geschlossen waren, sehr anstrengend. Da es draußen dunkel war, konnten wir auch noch nicht viel von der Landschaft sehen, aber ich wusste, dass wir am nächsten Tag in einer komplett neuen Welt aufwachen werden.

Was uns jedoch nicht entgehen konnte, ist der (anfangs wirklich verwirrende) Linksverkehr, die unbefestigten Straßen, viel Staub, viele Schlaglöcher und ein dauerhaftes hin- und her Geruckel. Und natürlich die vielen Bananenpflanzen am Straßen- und Wegesrand (wie ich inzwischen weiß, sind es keine Bananen, sondern Matooke – eine Art Kochbanane).

Im Haus angekommen – inzwischen war es 6 Uhr – haben wir unser Gepäck reingeschleppt und durften dann direkt die anderen drei deutschen Mädels kennenlernen, die mit einer anderen Organisation auch einen Freiwilligendienst über weltwärts machen, allerdings schon vor vier Wochen hier angekommen sind. Pauline, Michaela und Mira. Zusammen durften wir unser erstes „Ugandisches Frühstück“ genießen: Mandasi. Kleine, frittierte, super leckere Teigtaschen.

Gegen 7 Uhr sind wir 5 schlafen gegangen – todmüde von der langen Reise und den ganz neuen Eindrücken.

Die erste „Nacht“ im neuen Zuhause.

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Stadtrand von Kampala in Uganda

Meine Einsatzstelle liegt zwischen Kampala und Entebbe. Kampala ist die Hauptstadt Ugandas und liegt einige Kilometer vom Victoriasee entfernt. Mit rund 1,5 Millionen Einwohner:innen ist Kampala die größte Stadt des Landes. Mit der Makerere-Universität verfügt die Stadt über eine der größten Hochschulen in ganz Ost- und Zentralafrika. Kirchen, Moscheen und Tempel zeugen von dem reichen und vielfältigen religiösen Leben der Bevölkerung. Die Stadt Entebbe ist ca. 35 km entfernt von Kampala und mit knapp 70 000 Einwohner:innen etwas ruhiger und beschaulicher. Entebbe liegt auf einer Halbinsel im Victoriasee und ist allemal einen Ausflug wert. In der Nähe von Entebbe liegt der wichtigste internationale Flughafen Ugandas.