Auch wenn das inzwischen gar nicht mehr so neue Jahr schon längst angebrochen hat, dachte ich mir, könnte ich ja etwas von meiner Weihnachtszeit hier in Uganda erzählen.
Dass Weihnachten und die Adventszeit ganz anders werden wird, als ich es aus Deutschland kenne, war mir bewusst, doch wie genau der Dezember werden wird, wusste ich natürlich nicht. Auch wenn ich etwas Angst vor Heimweh in dieser Zeit hatte, blieb mir nichts anderes übrig, als mich auf die schönste Zeit des Jahres einzulassen.
Ungewohnt war es auf jeden Fall. Die Weihnachtsstimmung ließ den kompletten Dezember auf sich warten, denn noch immer bekommt mein Kopf 30°C und Sonnenschein nicht mit Weihnachten unter einen Hut. Dennoch haben wir Acht uns bemüht, wenigstens an den Adventssonntagen etwas Weihnachtsstimmung aufbringen zu lassen und das hat eigentlich auch ganz gut geklappt. Wir haben jeweils alle zusammen eine eher westlichere Mahlzeit gekocht, denn besonders das Essen in Deutschland vermissen wir alle. Wir haben einen kleinen Weihnachtsbaum aus Plastik, den wir hier im Haus irgendwo gefunden haben, aufgestellt und geschmückt, haben (etwas provisorisch) einen Adventskranz gebastelt und ein paar Lichterketten aufgehangen. Und wenn wir am Sonntagabend alle zusammen mit jeweils ein paar Gästen aus Ssisa am großen Tisch saßen, es draußen schon dunkel war, wir in Kerzen- und Lichterkettenschein unser selbstgekochtes Essen aßen und nebenbei eine Weihnachtsplaylist anhörten, kam dann doch für einen Moment etwas Weihnachtsstimmung auf. Auch wenn diese spätestens am nächsten Morgen wieder verschwunden war, weil wir in knallender Hitze zur Arbeit gelaufen sind.
Da Jacky, die junge Frau, die bisher für uns gekocht hat, seit Mitte Dezember nicht mehr bei uns wohnt und somit auch nicht mehr für uns kocht, haben wir zusammen mit Eva beschlossen, einen Ofen für das Haus zu kaufen, damit wir nicht nur den Holzkohle-Herd benutzen können, sondern auch einen Herd und Ofen mit Elektrizität. Also haben Pauline und ich uns auf die Suche nach einem Ofen gemacht. Nichtsahnend, wo genau wir so etwas in der Art finden könnten, sind wir nach Kajjansi gefahren und haben uns durchgefragt. Nachdem viele Geschäfte nicht das Richtige oder nur viel zu Teures hatten, haben wir tatsächlich einen Ofen gefunden, gekauft und mit Nachhause genommen. Doch der Transport nach Ssisa war abenteuerlicher als gedacht. Ich glaube die meisten Einheimische haben noch nie „Mzungus“ gesehen, die mit einem Ofen in der „Hand“ durch die Straßen laufen und Taxi fahren. Dementsprechend hatten wir auch super lustige Gespräche und Begegnungen 🙂
Zuhause angekommen haben natürlich Teile für das Anschließen gefehlt und als am nächsten Tag wiederum alles angeschlossen war, hatten wir bei unserem Glück natürlich Stromausfall und das in den folgenden Tagen je von morgens bis abends. Aber naja, durch die Stomausfälle kommen die kleinen „charcole-stoves“ wenigstens trotzdem noch ab und zu zum Einsatz.
Auch mein Geburtstag hat sich absolut nicht so angefühlt wie ein „normaler“ Geburtstag Mitte Dezember. Wir haben etwas reingefeiert und ich durfte um 0:00 die bunte Torte, die unsere Mentorin Eva zuvor vorbeigebracht hatte, anschneiden. Gegen Mittag sind wir mit dem Taxi nach Entebbe an den Strand gefahren und haben dort bei gutem Essen, knallender Sonne, Palmen, wunderschöner Aussicht, Pool und sogar einer Dusche (!!!) den Sommertag genossen. Und gerade, weil dieser Tag so anders war, als ich es mir je hätte vorstellen können, wird er mir wahrscheinlich für immer in Erinnerung bleiben.
Am 23. Dezember – einen Tag vor Heiligabend – war ich mit Pauline noch einmal in Kampala, um das Päckchen, das mir meine Eltern geschickt haben, abzuholen und um noch die letzten Wichtelgeschenke für die anderen zu besorgen. Kampala ist eigentlich immer recht voll und man muss aufpassen, dass man nicht andauernd in irgendwelche Menschen hineinrennt, doch so viele Menschen wie an diesem Tag habe ich glaube ich noch nie in meinem Leben bisher gesehen. Wir konnten kaum in ein Kaufhaus hineingehen, ohne völlig überrempelt zu werden, doch in einem der Häuser haben wir es sogar recht weit hochgeschafft und hatten einen wunderbaren Blick auf die so weiten Menschenmassen. Als ich oben stand, konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass ich nur wenige Minuten zuvor auch selbst noch Teil dieses Wimmelbildes war. Nach einer kurzen Verschnaufpause auf diesem Balkon haben wir uns wieder zurück in das Gedränge gewagt und haben uns dann doch recht schnell – zu überfordert von der Hitze, den Massen an Leuten, den Rufen, den Gerüchen und dem Verkehr – wieder auf den Nachhauseweg gemacht.
Als wir dann am Abend heimkamen, kamen gerade auch zwei meiner Mitfreiwilligen mit einem positiven Malariatest heim. Auch wenn wir versuchen, uns so gut es geht vor Mückenstichen und somit Malaria zu schützen, indem wir abends nur mit langen Sachen und in Mückenspray „gebadet“ rausgehen, ist es manchmal leider nicht zu vermeiden.
Genauso wie in fast allen noch so kleinen Orten, gibt es hier in Ssisa ein „Medical Center“, in welchem man sich von einem Arzt behandeln lassen kann. Auch wenn die Menschen hier Uganda an diese Krankheit gewöhnt sind und genau wissen, was gemacht werden muss, ist Malaria ernstzunehmend – vor allem hier, wo Tropica, die gefährlichste Form der Malaria, am meisten verbreitet ist. Als Behandlung haben die beiden an drei aufeinanderfolgenden Tagen je eine Dosis „Anti-Malaria“ per Infusion gespritzt bekommen, welche die Parasiten in ihrem Blut beseitigen sollten. Ich finde es nach wie vor ganz schön krass, dass ein einziger kleiner Mückenstich unseren Körper für eine gute Woche komplett ausnocken kann, Aber zum Glück sollte man mit der richtigen Behandlung eigentlich keine weiteren Schäden davontragen.
Den 24. Dezember haben wir hier Zuhause verbracht. Eigentlich hatten wir vor, Weihnachten zusammen mit unseren Mentoren zu feiern, doch da einige von uns krank geworden sind, haben wir uns dazu entschieden, es etwas gemütlicher hier in der WG anzugehen.
Ich habe den Tag damit verbracht, die Wichtelgeschenke für die anderen einzupacken, zu kochen und mit meiner Familie zu telefonieren. Am Nachmittag haben wir uns einen Weihnachtsfilm angeschaut und als es dann Abend wurde, haben wir alle unsere feinen Klamotten rausgeholt, das Wohnzimmer schön geschmückt, alle Geschenke unter unserem kleinen Plastikbäumchen gestapelt, den Tisch schön gedeckt und schließlich im Kerzenschein zu Abend gegessen. Danach war es endlich Zeit für die Bescherung. Wir haben uns gegenseitig mit kleinen Geschenken beschenkt und die meisten hatten auch kleine Pakete von Zuhause zugeschickt bekommen, die wir geöffnet haben. Obwohl das alles sich überhaupt nicht nach dem Weihanchten angefühlt hat, wie ich es von Zuhause kenne, war es super schön und irgendwie auch trotz der Hitze total gemütlich und als ich nach unserer kleinen Bescherung noch mit meiner Familie telefoniert habe, war der Abend total schön abgerundet.
Zwischen Weihnachten und Silvester ging es dann nicht wie normalerweise in Deutschland zu meiner Verwandtschaft, sondern dieses Jahr – um den sommerlichen Dezember so richtig auszunutzen – auf die „Ssese Islands“, den kleinen Inseln mitten im Victoriasee. Mal wieder hatten wir uns das Reisen ein ganzes Stück einfacher und organisierter vorgestellt. Wir haben uns – deutsch wie wir sind – rechtzeitig auf den Weg zur Fähre, welche uns laut einiger Quellen um 14 Uhr zur Insel bringen sollte, gemacht. Doch als wir zwei Stunden vor dem regulären Abfahren der Fähre am Hafen ankamen, wurde uns mitgeteilt, dass die Fähre schon um 11 Uhr gefahren ist. Natürlich war das auch die einzige Fähre, die an diesem Tag fahren sollte. Doch der gleiche Mann, der uns das mitteilte, machte uns direkt das Angebot, mit dem privaten Boot seines Kollegen für den dreifachen Preis mitzufahren. Da wir keine andere Wahl hatten, nahmen wir den Aufpreis hin und waren gute zwei Stunden später in Kalangala auf einen der Ssese-Islands. In diesem kleinen Paradies haben wir die nächsten drei Tage verbracht und eine kleine Auszeit unter Palmen mitten im Victoriasee genossen. Ich merke immer wieder: Je mehr ich von diesem wunderschönen Land erleben darf, desto mehr möchte ich sehen. Irgendwie ist keine Ecke wie die andere und ich möchte einfach mehr und mehr sehen, was dieses Land noch so alles ausmacht.
Und doch ist es auch immer wieder schön, zurück in unser kleines Dorf Ssisa und den Menschen hier zu kommen. Irgendwie ist es dann doch schon ein Zuhause für mich geworden.
Am 10. Januar haben nach mehr als anderthalb Jahren endlich auch hier in Uganda die Schulen wieder geöffnet, was für alle in unserer Umgebung eine riesige Umstellung war, die aber große Freude auslöste. Da auch Evaline mit ihrer NGO hier eine kleine Grundschule aufgebaut hat, hieß das auch für uns als Freiwillige, dass alle anpacken, um das Schulgebäude wieder auf Vordermann zu bringen. Wir haben geputzt, die verstaubten Schulbänke wieder in die Klassenräume gestellt und neben dem Haus eine kleine Holzhütte gebaut, welche in Zukunft als Küche benutzt werden soll, damit die Schulkinder jeden Tag ihr Mittagessen bekommen können.
Und die Woche darauf ging dann auch endlich der Unterricht wieder los. Obwohl ich eigentlich gar nicht im sogenannten „Teaching-project“ bin, habe ich mich dazu entschieden, zweimal pro Woche mit in den Schulen zu arbeiten. Neben der „Sandy-Bevans-School“ der Organisation GNUVF gibt es im Nachbarort Lutaba eine andere Grundschule. Dort werde ich wahrscheinlich nun jeden Montag und Dienstag auch ein bisschen mithelfen.
„Ein bisschen mithelfen“. So habe ich mir das auf jeden Fall vorgestellt. Doch als wir am Montag unserer ersten Arbeitswoche an der Schule in Lutaba ankamen, erkannten wir, dass sich die Schulleiterin dieser Schule unter „Mithelfen“ etwas anderes vorstellt, als wir. Mir ist schon so oft aufgefallen, dass mir viele Leute hier weitaus mehr zutrauen, als ich wirklich kann – so auch das Unterrichten. Besagte Schulleiterin hat uns (eine andere Freiwillige und mich) an diesem Tag einfach vor eine 4. Und 5. Klasse gestellt im Sinne von „macht mal!“ und ist gegangen. Da an dieser Grundschule 3 Lehrer:innen für die sieben Klassen verantwortlich sind, hatten wir auch nicht die Möglichkeit, erst einmal in die anderen Unterrichtsstunden hineinzuschnuppern wie wir uns das zuvor vorgestellt hatten. Für uns hieß das also Improvisieren. Und nach inzwischen fast vier Wochen haben wir uns – meiner Meinung nach – doch ganz gut eingearbeitet. Auch wenn ich mir nach wie vor der Tatsache bewusst bin, dass ich absolut keine Qualifikation fürs Unterrichten habe, macht es mir Spaß, den Kindern soweit es geht etwas beizubringen. Ich erinnere mich in letzter Zeit total oft an meine eigene Grundschulzeit und daran, wie ich Dinge beigebracht bekommen habe. Und trotzdem gibt es einige Hürden vor die wir gestellt werden. Eine ist, dass die englische Sprache weder unsere eigene Muttersprache ist, noch die der Kinder, was die Verständigung teilweise etwas schwierig macht. Dazu gibt es kaum Unterrichtsmaterialien. Jede:r Schüler:in hat eigene Blankohefte und wir haben von der Schule Lehrbücher bekommen (die übrigens auch im Supermarkt zu finden sind). Ich merke, dass viel Zeit des Unterrichtes dadurch aus dem Abschreiben von der Tafel besteht, was ich persönlich sehr schade finde, was aber leider auch nicht zu ändern ist.
Generell weiß ich selbst noch nicht so genau, was ich von meiner neuen Rolle als „Lehrerin“ halten soll. Wie gesagt, als qualifiziert genug halte ich mich auf keinen Fall, doch irgendwie macht es auch sehr Spaß und dann denke ich mir, dass die Kinder wahrscheinlich lieber irgendeine Lehrerin, die selbst keine Ahnung von dem hat, was sie macht, vor sich stehen haben, als niemanden.
Den Rest der Woche bin ich nach wie vor im Women-Empowerment-Projekt, bei dem ich einfach ganz verschiedene Frauen besuche und mit ihnen den Tag verbringe. Ich mag es total, diese neue Abwechslung aus eher körperlicher und andererseits durch die Schule nun eher mentaler Arbeit zu haben und merke, dass sich so langsam der neue Alltag einschleicht.
Nun geht es für eine Woche in den Westen des Landes – nach Mbale – um dort mit Daniel, der extra aus Deutschland anreist, unser Zwischenseminar zu haben. Für mich bedeutet dieses Zwischenseminar, dass nun schon wieder fast die Hälfte meines Aufenthaltes hier in Uganda um ist. Irgendwie vergingen die letzten 5 Monate dann doch wie im Flug und trotzdem weiß ich, dass die zweite Hälfte des Jahres doch noch einiges Spannendes bereithalten wird auf das ich mich jetzt schon sehr freue.